Spatenstich zur Musikantenalm

Spatenstich zur 2. Musikantenalm

Es soll der zweite Treffpunkt für alle Volksmusik- und Schlagerfreunde werden: am Penken in Mayrhofen, am Ort der ehemaligen Penkenalm, soll das Pendant zum Betrieb in Tux entstehen. Dazu fand im Juli der Spatenstich zu dem neuen Musikhotspot Kasermandl Zillertaler Musikanten-Alm mit Größen aus der Musikbranche statt.
»Ich war viel in den Hard Rock Cafès auf der ganzen Welt unterwegs – und dann war die Idee da, im Tal der Musik auch so etwas mit lokaler Musik zu machen«, sagt Markus Steindl, der neben seiner Funktion als Wirt in Vorderlanersbach ebenso unter dem Namen DJ Mox als Après-Ski-Star und Entertainer bekannt ist. Das konkrete Konzept dahinter: statt Hard Rock spielen hier die
Volksmusik und der Schlager die erste Geige, in der ganzen Hütte werden die Goldenen Schallplatten von Stars wie den Schürzenjägern, DJ Ötzi, Hansi Hinterseer, den Haderlumpen, den Ursprungbuam, Marc Pircher und vielen weiteren die Wände schmücken. »Es wird eine ganz urige Hütte, richtig traditionell«, fährt er fort. »Im Innenbereich werden rund 200
Personen Platz finden, im Außenbereich sind es 250 bis 300.« Bis Ende Oktober wird der Bau abgeschlossen sein, geführt wird die Alm als Familienbetrieb. So ist neben Markus Steindl sowie seiner Frau Bibi auch deren Sohn Stefan mit seiner Lebensgefährtin in den Betrieb involviert. Des Weiteren werden in Zukunft die hauseigene Band Kasermandl Duo, DJ Mox und DJ Steve für Stimmung sorgen.
TEXT: Alexandra Embacher FOTO: GPhoto / Martin Guggenberger

Der Hagmoar geht nach Tirol

Der Hågmoar geht nach Tirol

Anfang Mai trafen sich die Ranggler aus dem Alpenraum im Zillertal, um beim Gauder-Ranggeln den Hågmoar 2019 auszuranggeln. 140 junge Athleten stellten sich der Herausforderung, nur einer konnte sich zum Gauder-Hågmoar küren. Der kam aus Osttirol und wies seine Gegner souverän in die Schranken.
Das Gauder-Ranggeln war der Höhepunkt des Gauder Festes im Zillertal und konnte mit spannenden Kämpfen die vielen Zuseher begeistern. Das Gauder-Ranggeln ist aber mehr als ein Sportfest. An dem Tag trifft sich das ganze Zillertal in Zell am Ziller, um seine Lokalhelden anzufeuern. Das Ranggeln hat im Zillertal eine lange Tradition. »Das Ranggeln hat es hier schon immer gegeben«, erklärt der Obmann des Zillertaler Rangglervereines Anton Wurm. Er organisiert zudem das Gauder-Ranggeln und ist auch als Trainer aktiv. »Ab Jänner werden die ersten Vorbereitungen für das Gauder-Ranggeln begonnen«, so Wurm. Immerhin sind an dem Tag bis zu 2000 Zuseher und Fans in der Halle. Da sollte jeder Handgriff passen.

Aber nicht nur das Organisationsteam, auch die Athleten beginnen schon früh mit ihren sportlichen Vorbereitungen. Mindestens drei Mal die Woche wird in den Vereinen trainiert. Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit wird nur selten in die Wiege gelegt. Wobei die jüngsten Ranggler fast schon im Windelalter ihre ersten Versuche unternehmen. »Der heurige Hågmoar hat schon mit acht Jahren geranggelt«, erklärt Wurm.

Hågmoar? Klingt wie ein alter Wikinger auf einem nordischen Schiff. Kommt aber aus dem Alpenraum und bedeutet soviel wie ein Meister, der über seine eigene Siedlung hinaus von Bedeutung ist. Zumindest war das früher mal so. »Der Hågmoar war früher der echte Schlichter und Richter, er hat Grenzen gezogen und Entscheidungen gefällt«,

TEXT: Heiko Mandl FOTO: Simon Hausberger

Platzalm

Ein schräger Heimatabend

»DaBerrer« kommt am Samstag, den 17. August, auf die Platzlalm in Kaltenbach. Mit im Repertoire hat er einen abendfüllenden Kulturvortrag, der vor umgedichteten Perlen des Austropop sprießt. Das ahnungslose Publikum wird mit einer unfreiwilligen Kulturreise durch das oberösterreichische Innviertel – so unberührt wie unbekannt – beglückt.
In eine Welt eintauchen, in der die Begriffe Kunst und Dünger unzertrennlich miteinander verbunden sind. Eine Welt aus rivalisierenden Dörfern, in der verbotene Liebe unweigerlich nicht nur zu zerbrochenen Herzen, sondern auch zu mehrfach gebrochenen Knochen führt. Eine Welt, in der »Emannzipation« gelebt, aber dafür mit Doppel-»n« geschrieben wird. Das Publikum lernt das Innviertel mit seinen Eigenheiten kennen beziehungsweise lernt es die Eigenheiten der Innviertler kennen.Der schräge Heimatabend mit dem Berrer bringt Jung und Alt zum Schmunzeln. Dabei ist dem Kabarettneuling Manuel Berrer mit seinem Debutprogramm »ausgepopt« der Erfolg quasi passiert. Eigentlich wollte er nur wissen, ob er neben seinem Physikstudium (das er inzwischen abgeschlossen hat) und seiner Band auch ein Kabarettprogramm schreiben kann. Heute wissen wir: er kann!  Aber anstatt, dass sich das Programm nach den ersten Auftritten mehr oder minder im Sande verlief, wurden die Engagements immer mehr und die Lokalitäten immer größer. Mit einem Wort: der Berrer kam mit seinem Programm beim Publikum bestens an. Übrigens: 2018 gewinnt er gleich zwei Kabarettwettbewerbe – das Kufsteiner Salzfassl und den Salzburger Sprössling. Und jetzt ist er am 17. August auf der Platzlalm zu Gast.
TEXT: Alexandra Embacher FOTO: GPhoto / Martin Guggenberger

Hilfe & Herz und Verstand

Hilfe mit Herz und Verstand

Die Thematik Pflege und Betreuung von Angehörigen ist heute aktueller denn je. »Früher wurden Pflegebedürftige automatisch und selbstverständlich in der Familie versorgt, heutzutage ist es aufgrund wohnlicher und beruflicher Veränderungen oft nicht mehr möglich«, sagt Birgit Platzgummer von »Pflege- Hilfe-Organisation Platzgummer«. Was zu tun ist, wenn der Pflegefall eintritt, erklärt sie im Interview.

»Jeder kann von heute auf morgen ein Pflegefall werden«, wird die Ramsauerin nachdenklich. »Speziell Angehörige stehen dann oft vor schier unlösbaren Problemen.« Birgit Platzgummer hat sich dieses Jahr mit der Firma »Pflege-Hilfe-Organisation Platzgummer« selbstständig gemacht, um Familien bei dieser Thematik unter die Arme zu greifen. »Was ist zu tun? Ist eine häusliche Pflege überhaupt möglich? Was bedeutet die neue Situation für Angehörige und was ändert sich in der Familie?«, zählt sie nur einige Fragen auf, die die Betroffenen zu Beginn der neuen Situation quälen. »Vieles ist zu erledigen, aber die ganze Thematik Pflege ist den meisten gar nicht geläufig. Die wenigsten wissen, an wen sie sich wenden können.«

 

»Meine Art von Wertschätzung ist es, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Interesse zu zeigen.«

Birgit Platzgummer, Pflege-Hilfe-Organisation Platzgummer

Wer braucht überhaupt Pflege?

Kranke Personen werden von nahen Angehörigen zuhause gepflegt – dieses Bild wird langläufig kommuniziert, wenn diese Thematik im Raum steht. Und es kommt nicht von irgendwoher: nach dem Österreichischen Pflegevorsorgebericht 2017 erfuhren beinahe 98 Prozent der Pflegegeld beziehenden Personen Unterstützung durch nahe Angehörige beziehungsweise Bekannte, darunter knapp die Hälfte durch ihre Kinder. »Menschen mit Beeinträchtigungen brauchen Pflege, um alltägliche Tätigkeiten, wie Körperpflege, Beschaffung von notwendigen Hilfsmitteln, Medikamenten, Verpflegung, Organisation von Therapien und Arztbesuchen, bewältigen zu können«, erklärt Birgit. »Hinzu kommt noch, dass die überwiegende Zahl der Pflegenden selbst bereits über 50 Jahre alt ist.« Aus dem Pflegevorsorgebericht des Sozialministeriums geht ebenso hervor, dass bei den älteren Erwachsenen (ab dem 65. Lebensjahr) deutlich altersbedingte Erkrankungen überwiegen. Diese beginnen mit einem hohen Anteil an Demenz von mehr als einem Drittel der Pflegebedürftigen und gehen bis zu Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Pflegebedürftigkeit trifft aber nicht nur Menschen in einem höheren Alter, auch jüngere Personen können mit Beeinträchtigungen konfrontiert werden.

Hilfe und Information

Schlussendlich brauchen aber nicht nur pflegebedürftige Menschen, sondern auch deren pflegende Angehörige Hilfe und Information. Diese kommen unter anderem von Sozialsprengeln der Gemeinden oder auch von Firmen, die für Fragen zum Thema »Pflegefall« ein offenes Ohr haben – wie die der zweifachen Mutter mit pharmazeutischer Ausbildung. Auch sie will ihren Anteil beitragen und sagt: »Die Pflege daheim soll eine etwas weniger große Herausforderung für alle
TEXT: Alexandra Embacher FOTO: GPhoto / Martin Guggenberger

Binderholz Karbarett

Mountain & Soul Sommer Opening

»Wonn hom denn Sie des letzschte Mol die Sau auselossn?«, fragt Tanja Ghetta zu Beginn schmunzelnd auf der Bühne. Mitte März bot die gebürtige Tirolerin mit ihrem Solo-Kabarettprogramm im Fügener »FeuerWerk« viel Stoff zum Lachen. In »Trotzphase« – so der Titel – brachte die Schauspielerin und Kabarettistin pointiert auf den Punkt, was Trotz für sie bedeutet. Nur eine Phase oder eine Lebenseinstellung? Gscheit ist die Trotzphase vielleicht nicht immer, aber zumindest cool, so das Resümee. Aber genauso cool war der Auftritt von ihr, kaum einer konnte sich das Lachen verkneifen. Frech, laut und mit Puppe als Requisite – ein gelungener Abend.

Binderholz Kabarett

Trotzphase zum Lachen

»Wonn hom denn Sie des letzschte Mol die Sau auselossn?«, fragt Tanja Ghetta zu Beginn schmunzelnd auf der Bühne. Mitte März bot die gebürtige Tirolerin mit ihrem Solo-Kabarettprogramm im Fügener »FeuerWerk« viel Stoff zum Lachen. In »Trotzphase« – so der Titel – brachte die Schauspielerin und Kabarettistin pointiert auf den Punkt, was Trotz für sie bedeutet. Nur eine Phase oder eine Lebenseinstellung? Gscheit ist die Trotzphase vielleicht nicht immer, aber zumindest cool, so das Resümee. Aber genauso cool war der Auftritt von ihr, kaum einer konnte sich das Lachen verkneifen. Frech, laut und mit Puppe als Requisite – ein gelungener Abend.

»Car-Lovers« beim Kosis

Da heulten die Motoren so richtig auf: Beim »Car-Lovers – Kosis Lifestyle Roadtrip« staunten einige heuer nicht schlecht, welche Sportwagen vor der Haustüre der Fügener Bar und Hotel standen. Hintergrund war der jährliche Roadtrip der Vogt Folientechnik aus Karlsruhe samt einigen ihrer Kunden. »Der Poliertechniker Simon Vogt lud dieses Jahr wieder von Mittwoch bis Sonntag zu einem Sportwagentreffen zu uns ins Zillertal«, weiß Tom Huber vom Kosis Bescheid. »Sie fuhren in den Tagen auch verschiedene Strecken vom Tal aus: einen Tag über den Gerlospass nach Kitzbühel und wieder zurück, einen anderen über die Höhenstraße oder zum Achensee hinauf.« Am Freitag wartete noch ein besonderes Event auf die »Car-Lovers«: Die High-Heels- Party, bei der auch viele Einheimische einen Blick auf die Sportwagen werfen können.

Alles Gute Penkentenne

Alles Gute…

… zu 50 Jahren Penkentenne! Kaum zu glauben, aber dennoch wahr: seit fünf Jahrzehnten (oder seit 1969) gibt es bereits das Restaurant der Familie Huber am Penken. Da hieß es Ende März zu Recht, »Hoch die Hände – Penkentenne!«. Bei schönstem Sonnenschein wurde auf das Jubiläum angestoßen, ab 12 Uhr spielten »Die drei Ginzlinger« – Martin Pecar, Alfred Geisler (Schwarzenstein) und Ulli Huber (Hegl) – auf. »Die Zeit bleibt nicht stehen, das wissen wir genau. Und so lassen wir uns immer wieder etwas Neues für unsere Gäste einfallen«, sagen Petra und Hermann Huber. Auf die nächsten 50 Jahre!

Lederhosen Wedelparty

Lederhosen-Wedelparty!

»Kommt vorbei und lasst es zusammen mit uns an unserem Abschlusswochenende nochmal richtig krachen!« Diesem Aufruf des Kreishütten-Teams folgten Unzählige in Lederhose oder Dirndl und machten so die Party auf der kleinen Rosenalm in der Zillertal-Arena zur einmaligen Veranstaltung. Für Speis und Trank war natürlich besten gesorgt, ab 12 Uhr spielte die fünfköpfige Partyband »The Grandmas« (jetzt übrigens nach dem 10-jährigen Jubiläum »Mountain Crew«) aus Oberösterreich. Das Resümee des Tages: »Was war das für eine geile Party. Danke an alle, die mit uns gefeiert haben!«

Hausverstand

Hausverstand

So tragisch die tödliche Begegnung einer Urlauberin mit einer Kuh im Sommer 2014 geendet hat, sei gesagt: Etwas mehr Hausverstand könnte nicht schaden.

Denn für den »Kick« schlagen manch Unbelehrbare sämtliche Warnungen (von Vermietern, Hüttenwirten, Lawinenwarndienst …) aus. Einheimische sind davon nicht ausgenommen. Auch für sie »gibt’s coolen, fetten Powder«. Diese Vollkasko-Gesellschaft ignoriert mit Aussagen wie »die sind ja zu Suche und Rettung verpflichtet« die Tatsache, dass freiwillige Mitglieder von Rettungsorganisationen deren Leben für ein egoistisches Verhalten riskieren. Suchaktionen werden bei der Tourenplanung scheinbar schon fix einkalkuliert. Ob empfindlich hohe Strafen zu mehr Eigenverantwortung führen würden, sei dahingestellt.

Hausverstand kann man nicht kaufen

Im Fall jener deutschen Urlauberin, die im Sommer 2014 von Mutterkühen zu Tode getrampelt wurde, war es weniger Ignoranz als vielmehr Pech. Die Frau war mit ihrem Hund vermutlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Denn die Kühe sollen vorher von anderen Wanderern »gepflanzt« worden sein.Trotzdem wäre es eine vermeidbare Tragödie gewesen. Einerseits haben Tourismusverband, Vermieter oder auch andere Ortskundige Informationen parat. Ein Ableinen des Hundes hätte die Kühe wohl anders reagieren lassen. Denn ein Hund ist schon aufgrund des Körpergewichts flinker als eine Kuh. Außerdem muss im Almgebiet ganz einfach mit dem Antreffen von Tierherden gerechnet werden. Schließlich waren Kühe, Ziegen, Schweine oder Schafe schon lange vor dem Einzug des Tourismus im Tirolerland unterwegs. Darin liegt offenbar das Unverständnis der Bevölkerung für das Gerichtsurteil und die Schadenersatzzahlungen. Die von Landespolitik, Landwirtschaftskammer, Alpenverein und Touristikern ausgearbeitete Versicherungslösung inkludiert auch ein Mehr an Eigenverantwortung.
Wenn man schon so sehr auf Traditionen bedacht ist, und diese in Zukunft nicht nur als gut verkaufbare Show empfunden werden sollen, wird sich der Mensch an jahrhunderte- lange Gepflogenheiten anpassen und sein Gehirn verwenden müssen. Andernfalls sind Betretungs- oder Hundeverbote auf den Almen nur eine Frage der Zeit. Aber Gott sei Dank handelt es sich bei den Uneinsichtigen (egal ob Urlaubsgäste oder Einheimische)

Geierwally lebt

Die Legende »Geierwally« lebt!

Auch wenn Waltraud Wechselberger aus Hainzenberg ein anderes Leben als die Tirolerin und Romanvorlage für »Die Geierwally« Anna Stainer-Knittel führt, haben die beiden doch etwas gemeinsam: sie haben sich in der Männerdomäne Falknerei mit Erfolg bewährt. Die Zillertalerin erzählt von ihrem Weg, das Vertrauen der Greifvögel zu gewinnen.
Hoch oben auf 2.000 Metern Höhe fliegen im Sommer die Greifvögel spektakulär nur wenige Meter über den Köpfen der Zuschauern hinweg. Die Spannung ist hautnah zu spüren, die faszinierenden Luftakrobaten können aus der Nähe betrachtet werden. »Es ist einfach eine schöne Arbeit«, sagt
Waltraud Wechselberger. »Man muss alles andere ausklammern und sich nur auf die Greifvögel konzentrieren.« Gemeinsam mit ihrem Ehemann Didi leitet sie die einstündigen Vorführungen in der Adlerbühne Ahorn in Mayrhofen, die gleichzeitig die höchste Greifvogelstation Europas darstellt.
Zu Beginn war die Falknerei aber nur seine Leidenschaft, seit nunmehr zehn Jahren arbeitet Didi Wechselberger mit den Mayrhofner Bergbahnen zusammen und lässt seine Greifvögel vor dem Bergpanorama fliegen. Wegen der kurzfristigen Absage eines Mitarbeiters musste eine neue Bezugsperson für die
Tiere her. »Zuerst war das Ausscheiden dieses Mitarbeiters natürlich ein Katastrophe. Meine Greifvögel sind sehr brav, aber sie sind auch auf gewisse Menschen fixiert«, erinnert sich der ausgebildete Falkner und Gemeindepolizist zurück. »Irgendwann habe ich dann zu meiner Frau gesagt: ›Das ist jetzt deine Chance, dass wir das gemeinsam machen, dass wir zu einem Familienbetrieb werden.‹ Wir lieben ohnehin jede Sekunde, die wir zusammen sein können.«
Es wundere ihn ein wenig, dass wir ausgerechnet ihn ausgesucht hätten. Im Zillertal gäbe es ja Musiker in Hülle und Fülle für Interviews oder Portraits. »Wenn du aber tatsächlich über mich schreiben möchtest«, sagt er, werde er seinen Bart stutzen müssen. Aber nach Saalfelden müsse ich nicht kommen. »Treffen wir uns in Mayrhofen«, schlägt Fritz vor.

»Wir dominieren die Greifvögel nicht, wir sind auf einer Augenhöhe mit ihnen.«

Waltraud Wechselberger, Adlerbühne Ahorn

Ein steiniger Weg

Drei Tage lang hatte Waltraud Zeit zu überlegen, ihre Antwort war so entschieden wie die anstrengenden Trainingseinheiten werden sollten. »Ich sagte damals ja. Mich faszinieren die Greifvögel, das haben sie immer schon«, beschreibt sie. »Es hat mich lange nicht gebraucht und war kein Thema. Ohnehin kann man so etwas nicht halb machen, auf das muss man sich ganz einlassen und Zeit nehmen. Da gibt es kein bisschen.« So kam sie im Frühjahr 2018 zum Handkuss und erstmals in den näheren Kontakt mit den Tieren. Ein leichter Weg war es für sie dennoch nicht. »Die Zeit war meine größte Sorge, wir hatten nur noch drei Monate bis zu ersten Greif- vogelvorführung«, setzt Didi fort. »Das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst für einen Falkner wäre dieses Zeitlimit eine Herausforderung. Es kann auch sein, dass es gar nicht funktioniert.« Waltraud baute aber schnell Vertrauen zu den Tieren auf und konnte nach gut fünf Wochen mit beinahe allen Greifvögeln umgehen – besonders mit dem Virginia-Uhu-Männchen Billi schloss sie nach kurzer Zeit Freundschaft. »Für diese Leistung müsste sie den dreifachen Oscar und noch ein paar Bambis oben drauf bekommen«, lobt der Hainzenberger. Aus der Leidenschaft ihres Partners wurde bald eine Leidenschaft beider. Nur eine war ihr lang eine Feindin: das Steppenadler-Weibchen Steppi. Als Waltraud erstmals vorsichtig die Voliere betrat, griff sie der Greifvogel bereits auf dem Boden liegend an und kratzte mit seinen Krallen den Rücken der Zillertalerin blutig. »Es ist sozusagen ihr Wohnzimmer und in dem hatte ich noch nichts verloren«, erklärt sie. »Das ist das territoriale Verhalten.« Auch bei den Trainings attackierte der Adler lange Zeit Waltraud, selbst auf einen Hügel verfolgte sie der Greifvögel zu Fuß, um sie anschließend beißen zu können. »Unser Adler hat einen sehr starken Charakter und sie macht nur das, was sie machen will. Auch wenn sie schlechte Laune hat, zeigt sie das sehr.« Die Hainzenbergerin gab jedoch abermals nicht auf und bemühte sich um das Vertrauen des Vogels. Ein Einfall ihres Mannes brachte schlussendlich den langersehnten Erfolg: einen Tag vor der ersten Vorführung hat Waltraud den widerspenstigen Vogel gebunden und gehalten, auch wenn es dem Tier nicht gepasst hat. »Seitdem funktioniert es, der Vogel akzeptiert sie«, sagt Didi stolz. »Auch wenn Adler sehr schwer eine neue Bezugsperson finden.«

Die enge Bindung zählt

»Die meisten wissen gar nicht, wie viele Fehler man in einer Minute bei der Arbeit mit Greifvögeln machen kann«, geben die beiden Bescheid. »Man muss im richtigen Moment das richtige tun und aus Fehlern sofort lernen.« Alle sieben Greifvögel der Familie Wechselberger sind abgetragen und in einer hohen Kondition, jagdlich wird nur der Wüstenbussard Lenni geflogen. »Viele Leute sagen, dass unsere Greifvögel bald besser erzogen sind als einige Hunde«, schmunzelt Didi. »Daher können wir auch mit den Vögeln spazieren gehen. Sie fliegen dann von Baum zu Baum.« Durch die außerordentlich geringe Anzahl von ausgesuchten Vögeln entstand eine sehr enge und Intensive Beziehung mit jedem einzelnen Tier, der Lernerfolg wird durch das Vertrauen aufrecht erhalten. »Wir schauen uns an, was der Vogel gerne macht und stellen uns darauf ein. Nicht anders herum«, betont Didi. »Wir sind kein Zirkus und lehren keine Kunststücke.« Ihre gefiederten »Familienmitglieder« Steppi, Lenni, Ashok, Leica, Hansi, Virginia

Brötchen App

Farbenfroh in den Sommer

Brot auf Bestellung ist allerorts bekannt und durchaus keine neue Erfindung. Doch der innovative Weg, den Hubert Hotter aus Ried und Johannes Schuster aus Kaltenbach mit ihrer »BrötchenApp« eingeschlagen haben, lässt das Altbewährte ein Stück weit besser werden. Das Online-Bestellsystem nachfolgend im Überblick.
Brot auf Bestellung ist allerorts bekannt und durchaus keine neue Erfindung. Doch der innovative Weg, den Hubert Hotter aus Ried und Johannes Schuster aus Kaltenbach mit ihrer »BrötchenApp« eingeschlagen haben, lässt das Altbewährte ein Stück weit besser werden. Das Online-Bestellsystem nachfolgend im Überblick.
BrötchenApp ist ein neues Online- Bestell- und Abrechnungsservice für Brotbestellungen beim Bäcker«, gibt Johannes Schuster Auskunft. »Damit kann bequem über das Internet bestellt werden, es muss keine App heruntergeladen werden. Der regionale Bäcker liefert dann die Waren am Morgen wie gewohnt nach Hause.« So weit so gut. Doch wie kamen die beiden auf die Idee?
»Ich hatte einfach das Problem, dass ich nicht dauernd im Apartmenthaus sein konnte«, gibt Hubert Hotter Antwort darauf. »Aber trotzdem wollte ich einen Brötchenservice für meine Gäste anbieten. Das war der Ausgangsgedanke.« Auf der Suche nach einem Programm, um die Gebäckbestellung online abwickeln zu können, wurde der Zillertaler aber nicht fündig. Sein Weg führte ihn

»Neben Vermietern können auch private Haushalte die BrötchenApp nutzen und bestellen.«

Hubert Hotter und Johannes Schuster, BrötchenApp

zu Johannes, der weiß, wie man Homepages macht und auch die nötigen Personen mit Fachwissen für Apps kennt. »Gemeinsam engagierten wir einen Programmierer, der die BrötchenApp nach unseren Vorstellungen umsetzen konnte«, erzählen beide weiter. Letzten Herbst ging die App online, bewusst im kleinen Rahmen mit der Bäckerei Strasser als einem der ersten Lieferanten. »Handwerksbetriebe sind technologisch meist noch weniger gut ausgestattet als Tourismusbetriebe. Das war mit Sicherheit eine Herausforderung, die uns die Anwendung der App mit wenigen Betrieben starten ließ. Die erste Wintersaison hat die BrötchenApp bereits ausgezeichnet funktioniert.«

MIT EINEM KLICK ZUM BRÖTCHEN

Bäcker, Vermieter und Gast – diese drei Komponenten sind essentiell für die App. Ganz zu Beginn steht der Vermieter, der den Gast beziehungsweise das Apartment datenschutzkonform im System anlegt. Bis zur Abrechnung entsteht so kein weiterer Aufwand. Der Gast kann jeden Tag nach Belieben Brot über die Web-App bestellen, in einer Übersicht können die Bestellungen eingesehen werden. Aus dem Auftrag generiert sich eine Backliste beziehungsweise eine Bestellliste für den Bäcker pro Haus, ein Lieferschein für den Gast wird ebenso automatisch vom Bestellsystem erstellt. »Dem allem muss aber eine Zusage zur Brotlieferung von Seiten des Bäckers vorangehen. Der Vermieter muss vorab beim Betrieb anfragen, ob der an die Adresse liefert«, sagt Hubert. »Derzeit haben wir den Dorfbäck aus Stumm, die Firma Ezeb aus Fügen, die Bäckerei Strasser aus Zell am Ziller und den Bichlbäck aus Niederndorf als Partner.« Was Chancen bietet, birgt meist auch Risiken in sich. »Natürlich haben wir Zeit und Geld in das Projekt investiert.Findet es nun nicht den Anklang, den wir uns wünschen, stellt das ein Risiko dar«, meint Johannes. »Wir müssten aber beide keinen Konkurs anmelden, wenn das Programm nicht laufen würde. Wir machen das nebenberuflich, entstanden ist die BrötchenApp aus der Not heraus. Weil es solch ein System davor einfach nicht gab.« Von Misserfolg ist derzeit aber keine Rede: »Wir haben bereits viele positive Rückmeldungen von Vermietern bekommen. Speziell eine Dame hat mir geantwortet, dass sie so begeistert sei und die App für sie solch eine Arbeitserleichterung darstelle. Das Einzige, was schade sei: dass es die BrötchenApp nicht schon früher gegeben habe«, erzählt Hubert von der Resonanz. Die Nutzung der App ist kostenlos, finanziert wird diese durch den Brötchenverkauf.
TEXT: Alexandra Embacher FOTO: GPHOTO / Martin Guggenberger

Bauernhaus Weberhof

»Z’Weber kimt ma zom !«

Als richtiger »Schwendacha« kennt man den Weberhof, der direkt hinter dem Ferienhotel Neuwirt liegt. Die Hofbesitzer Waltraud und Franz Rauch sind bekannt dafür, immer eine offene Tür für Familie, Freunde, Nachbarn und Bekannte zu haben. In der gemütlichen Küche treffen sich Jung und Alt auf einen Kaffee oder ein Schnapserl.

»Bei uns daheim kommen wir gerne zusammen, auch Freunde und Bekannte sind immer willkommen.«

Waltraud und Franz Rauch, Weberhof

»Bei uns daheim kommen wir gerne zusammen, auch Freunde und Bekannte sind immer willkommen.«

Waltraud und Franz Rauch, Weberhof

Mit einem herzlichen »Kemts eicha« werden wir von Waltraud und Franz Rauch und Hund »Prinz« begrüßt. Türklingel gibt es keine, am Weberhof ist jeder willkommen. Im Gang befindet sich ein alter Bauernkasten und es hängen etliche Auszeichnungen an der Wand, denn Franz und sein Enkel Mario haben neben ihren Kühen ebenso etliche Tiroler Steinschafe. Einige Hühner und ein Haflinger, wenn auch nur noch zum Hobby, gehören zum Viehbestand dazu. Vom breiten Gang weg führt gleich links die Tür hinein in die gemütliche, große Stube. »Bis auf die neue Tischplatte und die Vorbänke, die wir aus unserem eigenen Birnbaum herstellen haben lassen, ist alles noch wie damals«, erzählt Waltraud. Über dem Kachelofen ist eine Bank zum Liegen. »Das ist ein besonders gemütliches Plätzchen«, schmunzelt Bauer Franz. An den Wänden hängen Jagdtrophäen von Vater Josef, der ein leidenschaftlicher Jäger war, auch der Lampenschirm über dem Esstisch ist aus einer Trophäe gefertigt.

VOM SCHNAPSBRENNEN UND PERCHTEN

Weiter geht es in die große Küche. »Diesen Teil und auch unser Schlafzimmer, das Bad und die beiden Ferienwohnungen im Dachgeschoss haben wir renoviert und auch eine Heizung installiert«, erzählt Franz. Vom Küchenfenster aus schaut man direkt auf die Brennhütte. »Das Schnapsbrennen gehört für uns einfach dazu, diese Leidenschaft hat mein Mann von seinem Vater Sepp geerbt«, lächelt Waltraud. Seit Maria Theresia hat die Familie Rauch das Brennrecht. Nicht umsonst ist der Weberhof vor allem bei den »Perchten« in Schwendau bekannt. Die Kinder freuen sich jedes Jahr am 5. Jänner auf das »Pinggal-Perchten-Gehen«, während die Erwachsenen es kaum erwarten können, dass es dunkel wird und sie als »Schnaps-Perchten« durch die Häuser ziehen können. »Bei uns kommen jährlich sicherlich an die hundert Perchten – und die bekommen dann natürlich unseren selbstgebrannten Schnaps und siaße Krapflang serviert, auch so manches Tanzbein schwingen die Perchten zur Ziachamusik von Enkel Mario«, erzählt Waltraud. An der Wand in der Küche hängen etliche Familienfotos. Franz und Waltraud haben drei Kinder – Andrea, Katrin und Matthias und Enkel Mario. Alle Kinder sind erwachsen und wohnen nicht mehr am Hof, aber stehen immer tatkräftig zur Seite. »Unser Enkel Mario besucht derzeit die LLA Rotholz und wird den Hof hoffentlich irgendwann in unserem Sinne weiterführen«, sagt Franz.

EIN HOF MIT GESCHICHTE

»Der Weberhof ist schon lang im Besitz unserer Familie, das Bauernhaus wurde laut der Jahreszahl auf dem Dach um rund 1700 errichtet«, berichtet Franz. Der Besitz der Familie Rauch bestand aus drei Höfen, »wovon mein Nene Johann Rauch 1936 den Weberhof übernahm. Leider verstarb er im Jänner 1940 und im vierzigsten Lebensjahr nach einem Unfall bei der Holzarbeit.« Er hinterließ seine Frau Maridl mit zehn Kindern, auch der älteste Sohn Franz verstarb 1946 auf Grund eines Stromschlags früh. Somit war Franz’ Vater Josef als Zweitältester für den Hof und seine Geschwister verantwortlich. Im November 1948 heiratete Josef Rauch Antonia, sie bekamen sieben Kinder. »Bereits in den 50er-Jahren begann meine Mutter mit der Zimmervermietung am Weberhof«, erinnert sich Franz zurück. Das Wasser wurde noch mit Waschkrügen in die Zimmer gebracht. »Leider verstarb Antonia 1995 mit 67 Jahren, danach haben wir die Zimmervermietung eingestellt«, erzählt das Ehepaar, welches 1977 geheiratet hat. 1980 haben sie sich ein Haus unterhalb des Gartens gebaut. »2003 haben wir mit der Renovierung des Bauernhauses begonnen, 2012 sind wir wieder eingezogen und fühlen uns hier mehr als wohl«, so das Ehepaar Rauch abschließend.
TEXT: Tanja Gruber FOTO: GPHOTO / Martin Guggenberger

Almauftrieb

»Rauf auf die Alm .«

Beim Red Bull Almauftrieb trafen sich 500 Starter, um 600 Höhenmeter so schnell wie möglich bergauf zu bewältigen. Dabei mussten sie bei verschiedenen Stationen ihr Geschick und ihre Kraft beweisen. Der Zillertaler Markus Kröll war auch mit am Start und zeigte eine herausragende Performance.

»Letztes Jahr konnte ich nicht mitmachen, ich war mit Ivica Kostelic auf einem Abenteuertrip in Kroatien und hatte keine Zeit«, erklärt Markus Kröll seine heurige Premiere beim Red Bull Almauftrieb. Neues Jahr, neues Glück, und so stand der Bergläufer Mitte Juni mit 500 anderen Startern an der Startlinie. Almauftrieb, was jeden Frühsommer die Bauern mit ihren Kühen machen, hat ganz und gar nichts mit dem Event zu tun. Außer vielleicht, dass eine Strecke bergauf bewältigt werden muss. Während das Vieh aber gemächlich hoch zur Alm trottet, müssen die Teilnehmer in Mayrhofen schon richtig Gas geben, um vorne dabei zu sein. Sechs Kilometer und 600 Höhenmeter umfasst die Strecke hinauf zum Ziel. Wäre das nicht schon anstrengend genug, müssen acht Challenges bewältigt werden. Dabei geht es um Herausforderungen wie Milchkannen tragen oder Heu-Kraxln. Für Markus Kröll war die Strecke keine Überraschung. »Die Strecke kenne ich sehr gut von meinen Trainingsläufen. Bis auf ein steiles Stück bei Brandberg bin ich alle Trails schon gelaufen«, erklärt Kröll. Samstag, Punkt 15:00 Uhr ging es dann in
Mayrhofen los. Die Kuhglocken ertönten und die Teilnehmer machten sich in verschiedenen Blöcken an die Strecke ran. Nach kurzer Zeit standen sie bereits vor der ersten Challenge,
dem Heu-Kraxln. Danach kam gleich die Wood-Carry

bei der die Sportler Baumstämme tragen mussten. Für Markus Kröll waren die Challenges meist kein Problem, das Laufen so und so nicht, immerhin ist er seit 30 Jahren Bergläufer. Einzig
beim Tragen der 50 Kilogramm schweren Milchkannen hatte er seine Probleme, wiegt er selbst ja nur knapp 60 Kilogramm. Doch seine Motivation war ungebremst. Ein Berglauf-Event
zu Hause, ausgetragen von seinem Sponsor, da konnte er nicht weniger als 110 % geben. Kröll war aber nicht der einzige bekannte Sportler im Starterfeld. Snowboard-Ass Benjamin
Karl aus Osttirol stellte sich ebenso der Herausforderung Almauftrieb wie auch Fitness-Influencerin Anna Engelschall. Sie gaben alle, wie auch die anderen Teilnehmer, ihr Bestes, um die
Challenges zu schaffen. Dabei spielten nicht nur Kraft und Kondition eine wichtige Rolle. Nein, Geschicklichkeit und Intelligenz waren bei den Überraschungs-Challenges ebenso gefragt.
Nach dem Farmer-Carry war Kröll wieder in seinem Element. Über steile und steinige Trails führt der Weg bergauf zum Milchkandl-Carry. 700 Meter und rund 150 Höhenmeter mussten die
Teilnehmer je zwei 4 Kilogramm schwere Milchkandln tragen, bevor sie zu den letzten Challenges laufen durften. »Das Milchkannentragen war richtig gut. Hier konnte ich meine Trailerfahrung ausspielen und Zeit gut machen«, so Markus Kröll. Danach ging es nach einer Labestation weiter zur nächsten Challenge, bei der am Heuwagen »Reifen« gewechselt werden mussten. Beim Alm-Count mussten die Sportler ihr Hirn einschalten, um die Überraschungschallenge zu meistern. Davor musste noch ein mit Hindernissen verzierter Heustadl überwunden werden. Alle, die den Alm-Count nicht schafften, mussten den nächsten Streckenabschnitt mit Holzscheiten beladen meistern. »Das war schon interessant, plötzlich mussten wir rechnen, um die Challenge zu schaffen«, erinnert sich Kröll. Die letzte Challenge wartete kurz vor dem Ziel auf ihn und seine Mitstreiter. Nach einem schmerzhaften Anstieg Richtung Steinerkogel mussten die Sportler beim Almhütten-Climb an einem Seil hinauf klettern und so die finale Herausforderung schaffen. Schließlich schaffte es Markus Kröll ins Ziel. Er wurde insgesamt Zweiter und gewann die Masters-Klasse souverän. Einzig Manuel Innerhofer aus Neukirchen am Großvenediger konnte mit einer Zeit von 36 Minuten und 47 Sekunden den Lokalmatador um knapp sechs Minuten schlagen. Letztes Jahr gewann übrigens sein Zwillingsbruder Hans-Peter den Event. Snowboarder Benny Karl belegte bei seinem zweiten Start mit 50 Minuten und 4 Sekunden einen achtungsvollen zwölften Rang. Bei den Damen zeigte Alexandra Hauser aus Sankt Johann in Tirol die beste Mischung aus Kraft und Ausdauer. Mit der Top-Zeit von 48 Minuten und 20 Sekunden gewann sie den Almauftrieb 2019. Rang 2 erreichte Anita Eckerstorfer mit einer Zeit von 50 Minuten und 57 Sekunden. Für Markus Kröll war seine Premiere ein einzigartiges Erlebnis. Das neue Format, zusammengesetzt aus Trailrunning und den verschiedenen Challenges, die Körper und Geist herausfordern macht den Event für ihn zu einem einzigartigen Erlebnis.Auf die Frage zur Teilnahme im nächsten Jahr antwortet der Zillertaler ohne zu zögern. »Klar bin ich wieder dabei, außer ich befinde mich mit Ivica Kostelic wieder auf einer einsamen Insel zu einem neuen Trail-Abenteuer«, so Kröll schmunzelnd.

»Der Red Bull Almauftrieb war für mich eine neue Erfahrung und hat mir gefallen. Das klingt nach einer Wiederholung.« Markus Kröll, Trailläufer Unbenannt

DEFTIGE KOST

»Bei uns in Scheffau hat jeder sein eigenes Klientel an Gästen. Dadurch helfen wir auch zusammen«, beschreibt er. »Vor 50 Jahren war jeder dem anderen neidisch, das mag ich überhaupt nicht. Zusammenarbeit ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Kei- ner muss Angst haben, dass ihm der andere etwas wegnimmt. Man soll miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.« Reichhaltige und g’schmackige Kost – die findet man auf der Karte des Weberbauers. Angst vor der Kalorie scheint Ludwig in diesem Sinne nicht zu haben. »Die Gerichte, die bodenständig sind, kann man aber durchaus noch mit neuen Kreationen wirkungsvoller gestalten«, meint Ludwig. »Auch wenn es nur mit einer Form ist, die man beispielsweise verändert.« Schweinsbraten bleibt aber Schweinsbraten, »der Geschmack bleibt der gleiche«. Oder der Skinchip, der wäre auch ein Beispiel für Neues. Hierfür löst Ludwig die Haut vom Fischfilet und frittiert dieses eigens. Viel Chi chi wird es bei ihm dennoch nie auf dem Teller geben. »Pinzettenkoch bin ich einfach keiner, als Gourmetkoch möchte ich mich ebenso nicht bezeichnen. Das will ich auch gar nicht sein.« Muss er auch nicht: Denn der Tafelspitz kommt auch so traditionell delikat und beinahe so wie das Original aus Wien auf den Tisch. Blattspinat, Röst- kartoffeln und Apfelkren gibt es dazu. So wie es sich gehört, nimmt das Fleisch vor dem Verzehr noch ein Bad in der frischen und selbst aufgesetzten (zum Glück!) Bouillon. »Die Gäste, die zu uns in den Weberbauer kommen, wollen großteils bodenständig essen. Ich mache zwar andere Menüs auch, aber diese muss man extra bestellen.«

DER WEG DIREKT NACH HAUSE

Ich wollte heim.« Heimatverbunden ist der Koch aber heutzu- tage noch genauso wie früher. Auch was die Herkunft der Lebensmittel, die er verarbeitet, betrifft. Von den Landwirten aus der Region bezieht er oftmals das Fleisch. Verhandelt wird die Lieferung nicht allzu selten am Stammtisch nach dem sonntäglichen Kirch- gang. »Bio muss es für mich aber nicht un- bedingt sein.« Das Bio-Siegel trug auch nicht die Gams, die in den Schlutzkrapfen verar- beitet wurde. Dafür stammte sie aus der Jagd von Ludwigs Bruder und direkt aus den loka- len Wäldern. Braune Butter, Schmelz-Cherry- tomaten, Bergkäsehobel und ein wenig Kres- se für’s Auge und die Schärfe gesellten sich zu dem Fleisch des Wildtiers auf den Teller. Mehr braucht’s nicht.
Dabei wurde ihm das Kochen direkt in die Wiege gelegt, etwas anderes ist nie in Frage gekommen. »Ich habe schon als Kind ger- ne gekocht«, erzählt er von seiner Kindheit. Die Lehre zum Koch hat er in Going beim Dorfwirt gemacht, direkt zuhause beim We- berbauern wollte er nie seine Lehrzeit ver- bringen. »Wenn man daheim lernt, dann wird man meiner Meinung nach schon etwas bevorzugt. Und genau das wollte ich vermei- den.« Zurück in den elterlichen Betrieb kehrte Ludwig ohnehin nach seiner Lehre ohne Um- schweife, unter dem damaligen und langjäh- rigen Küchenchef Sepp Sappl arbeitet er als Beikoch ein paar Jahre mit. Mit Mitte zwanzig übernahm er den Küchenchefposten. »Zu der Zeit haben mir aber auch viele nahegelegt, ich soll raus in die Welt«, schildert er. »Heute bereue ich das, damals wäre es aber für mich nicht in Frage gekommen.
TEXT: Heiko Mandl FOTO: Mirja Geh / Red Bull Content Pool, Becknaphoto