Hilfe mit Herz und Verstand

Die Thematik Pflege und Betreuung von Angehörigen ist heute aktueller denn je. »Früher wurden Pflegebedürftige automatisch und selbstverständlich in der Familie versorgt, heutzutage ist es aufgrund wohnlicher und beruflicher Veränderungen oft nicht mehr möglich«, sagt Birgit Platzgummer von »Pflege- Hilfe-Organisation Platzgummer«. Was zu tun ist, wenn der Pflegefall eintritt, erklärt sie im Interview.

»Jeder kann von heute auf morgen ein Pflegefall werden«, wird die Ramsauerin nachdenklich. »Speziell Angehörige stehen dann oft vor schier unlösbaren Problemen.« Birgit Platzgummer hat sich dieses Jahr mit der Firma »Pflege-Hilfe-Organisation Platzgummer« selbstständig gemacht, um Familien bei dieser Thematik unter die Arme zu greifen. »Was ist zu tun? Ist eine häusliche Pflege überhaupt möglich? Was bedeutet die neue Situation für Angehörige und was ändert sich in der Familie?«, zählt sie nur einige Fragen auf, die die Betroffenen zu Beginn der neuen Situation quälen. »Vieles ist zu erledigen, aber die ganze Thematik Pflege ist den meisten gar nicht geläufig. Die wenigsten wissen, an wen sie sich wenden können.«

 

»Meine Art von Wertschätzung ist es, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Interesse zu zeigen.«

Birgit Platzgummer, Pflege-Hilfe-Organisation Platzgummer

Wer braucht überhaupt Pflege?

Kranke Personen werden von nahen Angehörigen zuhause gepflegt – dieses Bild wird langläufig kommuniziert, wenn diese Thematik im Raum steht. Und es kommt nicht von irgendwoher: nach dem Österreichischen Pflegevorsorgebericht 2017 erfuhren beinahe 98 Prozent der Pflegegeld beziehenden Personen Unterstützung durch nahe Angehörige beziehungsweise Bekannte, darunter knapp die Hälfte durch ihre Kinder. »Menschen mit Beeinträchtigungen brauchen Pflege, um alltägliche Tätigkeiten, wie Körperpflege, Beschaffung von notwendigen Hilfsmitteln, Medikamenten, Verpflegung, Organisation von Therapien und Arztbesuchen, bewältigen zu können«, erklärt Birgit. »Hinzu kommt noch, dass die überwiegende Zahl der Pflegenden selbst bereits über 50 Jahre alt ist.« Aus dem Pflegevorsorgebericht des Sozialministeriums geht ebenso hervor, dass bei den älteren Erwachsenen (ab dem 65. Lebensjahr) deutlich altersbedingte Erkrankungen überwiegen. Diese beginnen mit einem hohen Anteil an Demenz von mehr als einem Drittel der Pflegebedürftigen und gehen bis zu Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Pflegebedürftigkeit trifft aber nicht nur Menschen in einem höheren Alter, auch jüngere Personen können mit Beeinträchtigungen konfrontiert werden.

Hilfe und Information

Schlussendlich brauchen aber nicht nur pflegebedürftige Menschen, sondern auch deren pflegende Angehörige Hilfe und Information. Diese kommen unter anderem von Sozialsprengeln der Gemeinden oder auch von Firmen, die für Fragen zum Thema »Pflegefall« ein offenes Ohr haben – wie die der zweifachen Mutter mit pharmazeutischer Ausbildung. Auch sie will ihren Anteil beitragen und sagt: »Die Pflege daheim soll eine etwas weniger große Herausforderung für alle
TEXT: Alexandra Embacher FOTO: GPhoto / Martin Guggenberger