Hausverstand

So tragisch die tödliche Begegnung einer Urlauberin mit einer Kuh im Sommer 2014 geendet hat, sei gesagt: Etwas mehr Hausverstand könnte nicht schaden.

Denn für den »Kick« schlagen manch Unbelehrbare sämtliche Warnungen (von Vermietern, Hüttenwirten, Lawinenwarndienst …) aus. Einheimische sind davon nicht ausgenommen. Auch für sie »gibt’s coolen, fetten Powder«. Diese Vollkasko-Gesellschaft ignoriert mit Aussagen wie »die sind ja zu Suche und Rettung verpflichtet« die Tatsache, dass freiwillige Mitglieder von Rettungsorganisationen deren Leben für ein egoistisches Verhalten riskieren. Suchaktionen werden bei der Tourenplanung scheinbar schon fix einkalkuliert. Ob empfindlich hohe Strafen zu mehr Eigenverantwortung führen würden, sei dahingestellt.

Hausverstand kann man nicht kaufen

Im Fall jener deutschen Urlauberin, die im Sommer 2014 von Mutterkühen zu Tode getrampelt wurde, war es weniger Ignoranz als vielmehr Pech. Die Frau war mit ihrem Hund vermutlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Denn die Kühe sollen vorher von anderen Wanderern »gepflanzt« worden sein.Trotzdem wäre es eine vermeidbare Tragödie gewesen. Einerseits haben Tourismusverband, Vermieter oder auch andere Ortskundige Informationen parat. Ein Ableinen des Hundes hätte die Kühe wohl anders reagieren lassen. Denn ein Hund ist schon aufgrund des Körpergewichts flinker als eine Kuh. Außerdem muss im Almgebiet ganz einfach mit dem Antreffen von Tierherden gerechnet werden. Schließlich waren Kühe, Ziegen, Schweine oder Schafe schon lange vor dem Einzug des Tourismus im Tirolerland unterwegs. Darin liegt offenbar das Unverständnis der Bevölkerung für das Gerichtsurteil und die Schadenersatzzahlungen. Die von Landespolitik, Landwirtschaftskammer, Alpenverein und Touristikern ausgearbeitete Versicherungslösung inkludiert auch ein Mehr an Eigenverantwortung.
Wenn man schon so sehr auf Traditionen bedacht ist, und diese in Zukunft nicht nur als gut verkaufbare Show empfunden werden sollen, wird sich der Mensch an jahrhunderte- lange Gepflogenheiten anpassen und sein Gehirn verwenden müssen. Andernfalls sind Betretungs- oder Hundeverbote auf den Almen nur eine Frage der Zeit. Aber Gott sei Dank handelt es sich bei den Uneinsichtigen (egal ob Urlaubsgäste oder Einheimische)