Ein Thema, das uns alle betrifft. Eines Tages kommt der Zeitpunkt Können oder Wollen werden keine Optionen mehr sein. Dann muss man sich mit einem Thema auseinandersetzen, dem man ein ganzes Leben lang ausgewichen ist. Ob es in unser persönliches Konzept passt, oder auch nicht: Das Lebensende und der richtige Umgang damit.

Die körperliche, psychische, soziale und spirituelle Begleitung und die daraus resultierende Verbesserung der Lebensqualität war über viele Jahre der Auftrag für Christina Wechselberger. Sie hat sich intensiv mit der Thematik befasst. Heute ist die Tuxerin Koordinatorin für die Hospiz- und Palliativversorgung in Tirol am Institut für Integrierte Versorgung (IIV). So wie die Geburt gehört der Tod zum Leben
„Ganz klar“ gebe es Angenehmeres als die Konfrontation mit dem Tod, aber ihre Arbeit habe dies mit sich gebracht. „Schon als Krankenschwester hatte ich immer wieder mit schwerkranken Menschen und mit Sterbenden zu tun. Ergebnis daraus ist ein offenerer Zugang an dieses Thema.“ Beruflich habe sie oftmals mit Betroffenen oder Angehörigen über das Lebensende gesprochen. Dennoch sei es auch für sie selbst ein Lernprozess gewesen. „Der Tod ist Teil des Lebens.“ Information via Fachliteratur. Über viele Jahre habe sie sich Wissen aus Fachbüchern angeeignet und „Vieles aus dem Bauch heraus entschieden. Sei es, ob Kinder sterbende Angehörige sehen sollen oder Verstorbene vor der Totenbeschau gewaschen werden dürfen“. Ein Studium sollte ihren Wissensdurst stillen. Außerdem konnte damit auch die Frage geklärt werden, ob eigene Entscheidungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar gewesen seien. Nach einem zweisemestrigen Basislehrgang an der Salzburger Palliative Care Akademie und sechs Semestern an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg hat sie ihr Studium mit dem Master of Palliative Care abgeschlossen. „Wofür bekomme ich dieses spezielle Medikament? Hätte ein homöopathisches Mittel die gleiche Wirkung? Wie sind die Nebenwirkungen? Welche Folgen hat die Behandlung für mich. Werde ich im neuen Spital gleich gut betreut wie im jetzigen? Welche Punkte kann ich in meiner Patientenverfügung festhalten?“ Solche und andere Fragen brennen besonders Menschen in der Stadt unter den Nägeln. Soziales Auffangbecken gegen Anonymität Obwohl sie während ihrer Jahre in Wien mit vielen Menschen – vor allem mit anderen Mitarbeiterinnen und (Schwer-)Kranken – zu tun gehabt habe, seien Begegnungen mit Nachbarn kaum der Fall gewesen. „Plötzlich standen Möbel vor der Tür oder das Türschild hat gefehlt. Dann hab’ ich gewusst, dass wieder jemand ausgezogen ist. Oder verstorben. In der Stadt sind das Leben Tür an Tür und der Tod oft eine sehr anonyme Angelegenheit.“
Sei am Land jemand schwer erkrankt, so könnten Betroffene und Angehörige oftmals auf ein gut funktionierendes Netzwerk bauen. In den meisten Fällen kenne man sich gegenseitig. „Egal ob vom Arbeitsplatz, aus dem Verein oder als Nachbarn“. Man kennt gewisse Gewohnheiten im Tagesablauf und könnte im Ernstfall Alarm schlagen. „Man schaut wieder aufeinander und sorgt sich. Dieses soziale Auffangbecken tut allen unheimlich gut, besonders in der heutigen Zeit“, freut sich Christina Wechselberger über die Rückkehr einer Art von Sorgekultur.

Blick auf Lebensqualität geht oft verloren
In aussichtlosen Situationen und im Kampf gegen das Unvermeidbare versuche man wirklich alles. Und die moderne Medizin sei immer letzter Rettungsanker. „Bei diesem Tunnelblick auf Blutbilder und Entzündungswerte am Beispiel Chemotherapie etwa verlieren viele Patienten und (pflegende) Angehörige ein sehr großes Stück ihrer Lebensqualität.“ Das müsse aber nicht immer so sein, denn jeder Mensch gehe unterschiedlich damit um.
Viele würden auf die Natur oder auf Begegnungen mit anderen Menschen bauen. Wieder andere fänden Kraft im Glauben. „Dazu gäbe es sicherlich einige Studien.“ Für Wechselberger sei der Glaube dabei nicht immer eine Frage des Alters. Aufgefallen sei ihr bei vielen Gesprächen allerdings die Angst vor dem Tod. Gerade gläubige Menschen nähern sich mit Bangem dem endgültigen Aus. „Die Bibel ist vor 2000 Jahren geschrieben worden, müsste aber in die heutige Zeit umformuliert werden“, wünscht sich Wechselberger stärkende und kraftvolle Worte. „Das Bild des Fegefeuers ist nicht gerade eine große Hoffnung.“ Abschließend appelliert Christina Wechselberger zu einem offeneren und ehrlicheren Umgang mit dem Thema Tod. „Schwerkranke oder Sterbende registrieren sehr vieles, auch den ‚Knödel im Hals’ von Familienmitgliedern oder Freunden.“ Sie seien froh, wenn sie über das Thema Tod und Sterben mit vertrauensvollen Menschen sprechen können. Aber nicht nur schwer erkrankte Menschen sollten sich mit diesem Thema beschäftigen. Vorsorge in Form einer Patientenverfügung zu treffen oder zumindest mit den Angehörigen über das „Was wäre, wenn…“ zu sprechen, sei aus ihrer Sicht sehr wichtig und verantwortungsvoll. „Wir müssen absolut keine Scheu haben, sondern brauchen nur ein bisschen mehr Mut. Den wünsche ich uns.“ » Wir müssen absolut keine Scheu haben, sondern brauchen nur ein bisschen mehr Mut. «

 

Ein Thema, das uns alle betrifft. Eines Tages kommt der Zeitpunkt Können oder Wollen werden keine Optionen mehr sein. Dann muss man sich mit einem Thema auseinandersetzen, dem man ein ganzes Leben lang ausgewichen ist. Ob es in unser persönliches Konzept passt, oder auch nicht: Das Lebensende und der richtige Umgang damit.

Die körperliche, psychische, soziale und spirituelle Begleitung und die daraus resultierende Verbesserung der Lebensqualität war über viele Jahre der Auftrag für Christina Wechselberger. Sie hat sich intensiv mit der Thematik befasst. Heute ist die Tuxerin Koordinatorin für die Hospiz- und Palliativversorgung in Tirol am Institut für Integrierte Versorgung (IIV). So wie die Geburt gehört der Tod zum Leben
„Ganz klar“ gebe es Angenehmeres als die Konfrontation mit dem Tod, aber ihre Arbeit habe dies mit sich gebracht. „Schon als Krankenschwester hatte ich immer wieder mit schwerkranken Menschen und mit Sterbenden zu tun. Ergebnis daraus ist ein offenerer Zugang an dieses Thema.“ Beruflich habe sie oftmals mit Betroffenen oder Angehörigen über das Lebensende gesprochen. Dennoch sei es auch für sie selbst ein Lernprozess gewesen. „Der Tod ist Teil des Lebens.“ Information via Fachliteratur. Über viele Jahre habe sie sich Wissen aus Fachbüchern angeeignet und „Vieles aus dem Bauch heraus entschieden. Sei es, ob Kinder sterbende Angehörige sehen sollen oder Verstorbene vor der Totenbeschau gewaschen werden dürfen“. Ein Studium sollte ihren Wissensdurst stillen. Außerdem konnte damit auch die Frage geklärt werden, ob eigene Entscheidungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar gewesen seien. Nach einem zweisemestrigen Basislehrgang an der Salzburger Palliative Care Akademie und sechs Semestern an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg hat sie ihr Studium mit dem Master of Palliative Care abgeschlossen. „Wofür bekomme ich dieses spezielle Medikament? Hätte ein homöopathisches Mittel die gleiche Wirkung? Wie sind die Nebenwirkungen? Welche Folgen hat die Behandlung für mich. Werde ich im neuen Spital gleich gut betreut wie im jetzigen? Welche Punkte kann ich in meiner Patientenverfügung festhalten?“ Solche und andere Fragen brennen besonders Menschen in der Stadt unter den Nägeln. Soziales Auffangbecken gegen Anonymität Obwohl sie während ihrer Jahre in Wien mit vielen Menschen – vor allem mit anderen Mitarbeiterinnen und (Schwer-)Kranken – zu tun gehabt habe, seien Begegnungen mit Nachbarn kaum der Fall gewesen. „Plötzlich standen Möbel vor der Tür oder das Türschild hat gefehlt. Dann hab’ ich gewusst, dass wieder jemand ausgezogen ist. Oder verstorben. In der Stadt sind das Leben Tür an Tür und der Tod oft eine sehr anonyme Angelegenheit.“
Sei am Land jemand schwer erkrankt, so könnten Betroffene und Angehörige oftmals auf ein gut funktionierendes Netzwerk bauen. In den meisten Fällen kenne man sich gegenseitig. „Egal ob vom Arbeitsplatz, aus dem Verein oder als Nachbarn“. Man kennt gewisse Gewohnheiten im Tagesablauf und könnte im Ernstfall Alarm schlagen. „Man schaut wieder aufeinander und sorgt sich. Dieses soziale Auffangbecken tut allen unheimlich gut, besonders in der heutigen Zeit“, freut sich Christina Wechselberger über die Rückkehr einer Art von Sorgekultur.

Blick auf Lebensqualität geht oft verloren
In aussichtlosen Situationen und im Kampf gegen das Unvermeidbare versuche man wirklich alles. Und die moderne Medizin sei immer letzter Rettungsanker. „Bei diesem Tunnelblick auf Blutbilder und Entzündungswerte am Beispiel Chemotherapie etwa verlieren viele Patienten und (pflegende) Angehörige ein sehr großes Stück ihrer Lebensqualität.“ Das müsse aber nicht immer so sein, denn jeder Mensch gehe unterschiedlich damit um.
Viele würden auf die Natur oder auf Begegnungen mit anderen Menschen bauen. Wieder andere fänden Kraft im Glauben. „Dazu gäbe es sicherlich einige Studien.“ Für Wechselberger sei der Glaube dabei nicht immer eine Frage des Alters. Aufgefallen sei ihr bei vielen Gesprächen allerdings die Angst vor dem Tod. Gerade gläubige Menschen nähern sich mit Bangem dem endgültigen Aus. „Die Bibel ist vor 2000 Jahren geschrieben worden, müsste aber in die heutige Zeit umformuliert werden“, wünscht sich Wechselberger stärkende und kraftvolle Worte. „Das Bild des Fegefeuers ist nicht gerade eine große Hoffnung.“ Abschließend appelliert Christina Wechselberger zu einem offeneren und ehrlicheren Umgang mit dem Thema Tod. „Schwerkranke oder Sterbende registrieren sehr vieles, auch den ‚Knödel im Hals’ von Familienmitgliedern oder Freunden.“ Sie seien froh, wenn sie über das Thema Tod und Sterben mit vertrauensvollen Menschen sprechen können. Aber nicht nur schwer erkrankte Menschen sollten sich mit diesem Thema beschäftigen. Vorsorge in Form einer Patientenverfügung zu treffen oder zumindest mit den Angehörigen über das „Was wäre, wenn…“ zu sprechen, sei aus ihrer Sicht sehr wichtig und verantwortungsvoll. „Wir müssen absolut keine Scheu haben, sondern brauchen nur ein bisschen mehr Mut. Den wünsche ich uns.“ » Wir müssen absolut keine Scheu haben, sondern brauchen nur ein bisschen mehr Mut. «

 

FOTO: GPHOTO / MARTIN GUGGENBERGER