Meer aus Weiß

Im Frühling kündigen Blüten die wärmere Jahreszeit in faszinierender Schönheit an, für manche die schönste Zeit im Jahr. Besonders spannend zeigt sich auch die Kirschblüte – unter anderem wegen ihrer symbolischen Bedeutung. Der Obst- und Gartenbauverein Fügen gibt Auskunft über das Steinobst.
Weiß erstrahlt der ganze Baum, Blüte an Blüte reiht sich an den Ästen. Fünf Kronblätter umfasst eine dieser, vor dem Laubaustrieb etwa Mitte April bis Mitte Mai öffnen sich alle Knospen zugleich. »Die Kirschbäume sind im ganzen Zil-lertal recht weit verbreitet«, weiß Vereinsbeirat und Baumexperte Ludwig Esterhammer. »Sie gedeihen recht gut hier, lieben eher trockenen Boden und sind eher anspruchslos. Die Kirschbäume wachsen auch in der Wildform im
Wald.« Dabei stammen die Kirschen, die verzehrt werden, ursprünglich aus dem Iran und der Schwarzmeerregion – über die Griechen kamen sie dann zu den Römern, die die Süßkirsche dann auch nach Europa brachten. Einen Kirschbaum erkennt man im Frühjahr an der weißen üppigen Blüte, um die sich auch so mancher Brauch dreht. So werden traditionell am 4. Dezember Zweige des Kirschbaums abgeschnitten und in eine Vase gegeben. Blühen sie um Weihnachten auf, dann bringt das nach dem Brauch der Barbarazweige Glück. Ganz der Bauernregel nach: »Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.«

Kein Einheitsbrei

»Es gibt aber ganz viele verschiedene Edelsorten, darunter auch Frühsorten. Die ersten sind Ende Mai reif, die letzten im August«, gibt Ludwig Bescheid. »Kommt bei der Reife jedoch eine Regenperiode dazwischen, dann reißen die Früchte auf, bekommen einen Spalt und beginnen zu faulen.« Läuft aber alles glatt, dann wird der Baum, je nach Sorte, voll gespickt mit Kirschen sein. Von Weiß über Rot bis Schwarz – die Frucht des Kirschbaums kann viele Farben haben. Und genauso hat jede Sorte auch ihren individuellen Geschmack und ihre perfekte Verwen- dungsweise in der Küche. »Die Sauerkirsche oder Weichsel eignet sich besondersfür Marmelade oder ein Kompott«, sagt Vereinsobfrau und Bäuerin des Wermenerhofs Alexandra Kammerlander. »Ansonsten kann man auch Likör oder Sirup und natürlich auch einen Edelbrand aus der Frucht machen.« Die Kerne der Kirsche werden ebenso gerne für die Füllung von Kissen verwendet, sie können gut die Wärme speichern. »Bei uns hat sich am besten die ganz weiße Kirsche, die Brautkirsche, bewährt: sie ist durch ihre Farbe vogelsicher und schmeckt vorzüglich«, erklärt Ludwig. Die Obfrau setzt fort: »Aber auch die Herzkirsche, sie wird so groß wie eine Zwei-Euro-Münze, hat sich durchgesetzt.« Besonders 2018 war ein Jahr der Frucht. »So viele Kirschen wie letztes Jahr wissen wir überhaupt noch nie. Die konnten wir gar nicht alle verwerten«, erinnert er sich. Was die heimische Vogelschar aber freute, immerhin sind Amsel, Drossel und Co. ebenso Fans der Kirsche. »Wenn es so viele sind, fällt das eh nicht mehr ins Gewicht«, lacht Ludwig. »Die, die am weitesten oben sind, mögen wohl die Vögel haben. Die unten nehmen wir.«